Softwaregestützte Behandlungsplanungen unter Anwendung von Clear Alignern und Multibracketapparaturen zugleich – Praxisbeispiele und Potentiale in der Kieferorthopädie
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Kieferorthopädie verstärkt auf die Entwicklung und Anwendung von Apparaturen konzentriert und ist dabei immer weniger diagnostisch, pragmatisch und individuell auf die spezifischen Bedürfnisse der Patienten eingegangen. Die Vielfalt der verfügbaren Behandlungsoptionen hat in dieser Zeit erheblich zugenommen, und die Entscheidung für eine bestimmte Apparatur erfolgt häufig auf empirischer, emotionaler und stark subjektiver Grundlage. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von der Ausbildung über die Universität, die Standorte der Praxen bis hin zu finanziellen Ressourcen und Werbeeinflüssen. Dennoch sollte die Entscheidung immer im Hinblick auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten getroffen werden. Derzeit dominieren in vielen Praxen Clear Aligner Behandlungen, doch stellt sich die Frage, ob diese allein immer die beste Option sind.
Material und Methode: Wir haben die Entwicklungen im Bereich der Behandlungsgeräte in unserer Praxis über die letzten Jahre analysiert und dabei Faktoren wie Personalmangel, wirtschaftliche Zwänge, Patientenwünsche, neue Produkte und mehr berücksichtigt.
Ergebnisse: Unsere Praxis hat sich in eine digitale Richtung entwickelt, und vermehrt wird im Labor produziert. Die Integration verschiedener Software-Add-Ons hat sowohl für Behandler als auch für Patienten die Möglichkeit eröffnet, die Behandlungsplanung und -ergebnisse zu verbessern. Trotz dieser vielversprechenden Entwicklungen kann es immer noch herausfordernd sein, von etablierten Behandlungsmethoden abzuweichen, weshalb vermehrt sogenannte Hybridbehandlungen durchgeführt wurden. (Hybridbehandlungen – Verbindung von verschiedenen Techniken z.B. bukkal, lingual und/oder Aligner zeitgleich oder auch nacheinander.)
Schlussfolgerung: Dieser Beitrag beleuchtet, wie innovative digitale Produkte dazu beitragen können, die Vision einer optimierten Behandlung zu simulieren und neue Wege zu beschreiten, einschließlich Hybridplanungen und -behandlungen. Es wird die Anwendung einer Hybridplattform zur Simulation und Behandlungsplanung vorgestellt und anhand von Fallbeispielen veranschaulicht. Diese Erkenntnisse eröffnen vielversprechende Perspektiven für die kieferorthopädische Praxis. Bei der Behandlung von Patienten mit sekundärer Malokklusion bzw. mit Verschlimmerung einer bestehenden Malokklusion aufgrund einer Parodontalerkrankung ist in der Kieferorthopädie eine gemeinsame Behandlung mit Parodontologie und Prothetik erforderlich. Trotz der zahlreichen veröffentlichten Artikel mangelt es noch immer an guter Evidenz für viele Behandlungen, sowohl in der kieferorthopädischen als auch in der Parodontaltherapie. Die Prävalenz der pathologischen Zahnwanderung (PTM, pathologic tooth migration) unter Parodontalpatienten wird im Bereich von 30,03 % bis 55,8 % angegeben: Parodontaler Knochenschwund scheint der wesentliche Faktor in der Ätiologie der PTM zu sein. Als charakteristische Merkmale bei Patienten mit parodontaler Problematik werden üblicherweise beschrieben: gekippte Zähne mit Lückenbildung zwischen den obere Frontzähnen, Tiefbiss (mitunter kann Extrusion eines einzelnen Zahnes vorliegen), vergrößerte sagittale Frontzahnstufe und Engstand der unteren Schneidezähne. Liegt die Unterlippe hinter den gekippten Schneidezähnen, kann dies den Zustand noch verschlimmern.
Eine kieferorthopädische Behandlung ohne angemessene parodontale Vorbereitung kann zu iatrogenen Schädigungen führen: Eine Zahnbewegung in Richtung eines infizierten infraossären Defekts kann die Zerstörung des Bindegewebes verstärken.
Eine kombinierte Ortho-Paro-Behandlung ist hingegen bei Parodontitis sehr wirksam und kann den Level inflammatorischer Zytokine effektiv senken. Darüber hinaus sollte die Behandlung auf die Erwartungen und die ästhetische Vorstellung des Patienten ausgerichtet sein.
Clear-Aligner sind bei stabilen Parodontalpatienten unbedenklicher als die konventionelle kieferorthopädische Behandlung. Bei Alignern können die Patienten die Mundhygiene sehr gut in den Griff bekommen, besonders bei langer Behandlungsdauer.
Softwarelösungen für virtuelle Planung sind ein diagnostisches Tool, das ein virtuelles Setup liefert, sowohl für Kieferorthopäden als auch für Prothetiker. Es bietet ein präzise 3D-Plankontrolle für jede Bewegung und die Möglichkeit der gezielten Verankerung.
Der Schlüssel zum Erfolg beruht sowohl auf der unterstützenden Parodontaltherapie (UPT) auf Lebenszeit als auch auf der kieferorthopädischen Retention.
Die Akzeptanz der UPT seitens des Patienten ist eine essenzielle Voraussetzung für langfristig stabile Ergebnisse.
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